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Interviews : Covenant Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 25.03.1998 12:11 (1334 x gelesen)

Covenant



Der Aufstieg dieser Band ist schon phänomenal: mit nur zwei Alben ("Dreams Of A Cryotank", 1995 und "Sequencer", 1996) konnten sich die schwedischen COVENANT fest in der europäischen EBM­Club­Szene etablieren.


Ohne "Hits" wie "Figurehead" "Stalker" oder "Theremin" kann heute kaum mehr ein EBM-­DJ existieren.

Die Frage, was diese Band so einzigartig macht oder gar von anderen Bands des Genres abhebt, ist dabei nur sehr schwer zu beantworten.




Ohne Zweifel sind es die sehr einfachen, eingängigen Melodien und die ­ zumindest auf den ersten zwei Alben vorhandenen ­ vertrauten Soundingredienzen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Doch das allein gibt noch keinen Aufschluß darüber, warum COVENANT derzeit zu den beliebtesten neuen EBM­Formationen gehören.

Ihr 95er Debut "Dreams Of A Cyrotank" war noch deutlich geprägt von genreüblichen Vorbildern wie Front Line Assembly oder auch schwedischen Hardcore­Kollegen wie Cat Rapes Dog, doch das Songmaterial und Tracks wie "Theremin" versprachen bereits eine ganze Menge mehr...!


Mit dem "Sequencer"­Album wurde der Stil noch mehr verfeinert, zudem schaffte es die Band sehr erfolgreich, massive, übereinander geschichtete Klangwelten zu kreieren; die Dichte der Sounds und deren brachiale Kraft wurden schnell zu einem Markenzeichen, das in einem reizvollen Kontrast zu den transparenten, eingängigen Kompositionen stand.


Das neue Album "Europa" hingegen war für viele Fans schon eine Überraschung.

Nach der eher unspektakulären Single "Final Man" wurde ein Album vorgelegt, auf dem die mittlerweile vertrauten Klangwelten auf ein Mindestmaß reduziert wurden, das aber zugleich offenbarte, daß sich COVENANT ­ deutlicher als zuvor! ­ auf Songs und das Songwriting an sich konzentriert haben.


"Europa" ist eines der Alben, das beim ersten Genuß eher ereignisarm, monoton und formatiert wirkt, dessen wahre Qualitäten sich aber erst nach und nach offenbaren....!


Das mag auch daran liegen, daß es sich bei COVENANT um eine recht "erwachsene" Band handelt. Die drei Musiker, allen voran Instrumentalist Eskil Simonsson und Sänger Joakim Montelius haben die Geschichte der elektronischen Musik genauer studiert und tiefer inhaliert als viele ihrer Kollegen und gehen somit bewußter und selektierender mit ihrer Musik und ihrem Songwriting um. Zugleich trifft der von ihrer Firma Off Beat publizierte Slogan zum ersten Album immer noch zu: "Diese Musik ist 100% Gitarren­frei!".


COVENANT sind eine zutiefst puristische, zudem sehr eklektisch arbeitende Band. Sie kennen die Historie ihres Genres, doch sie sind zudem bereit, intellektuelle Spielereien und Spitzfindigkeiten zugunsten eines homogenen, tanzbaren Produkts hinten an zu stellen.


Doch der große Erfolg auf hiesigen EBM­Tanzböden ist COVENANT bis heute ein Rätsel, das sie nur sehr schwer erklären können....


Joakim Montelius:
Es ist ja eigentlich Tanzmusik. Wir tanzen ja selbst gerne und amüsieren uns gerne in Clubs. Das beeinflußt uns vielleicht mehr als alles andere. Dieses Feeling und diese Energie nehmen wir mit nach hause und in unser Studio.

Gerade unter diesen Prämissen ist "Europa" ein sehr konsequentes, sehr mutiges Album, denn ebenso wie "Final Man" seine Wirkung auf die EBM­Klientel bisher verfehlte, dürfte auch das gesamte Album zunächst irritieren:

Auf "Europa" findet sich kein offensichtlicher "Hit", die Songs scheinen sich zunächst stark zu ähneln, das Album entfaltet seine Wirkung erst wenn es in einem Guß genossenen wird.

Auf "Europa" scheinen COVENANT zu der Essenz, zum Ausgangspunkt ihres Schaffens zurückgekehrt sein, doch es ist auch möglich, daß sie diese Essenz durch die Arbeit und Experimente der Vergangenheit auch jetzt erst entdeckt haben...!


Eskil Simonsson:
Weniger ist mehr! Das ist die eigentliche Antwort. Zudem wollten wir, daß das Album mehr Popsongs im traditionellen Sinne enthält. Wir haben die minimalistischen Formate auf "Europa" auch deshalb benutzt, um herauszufinden, wie weit wir damit gehen können.

Joakim Montelius:
Schon auf "Sequencer" haben wir versucht, minimalistische Klangwelten zu erarbeiten, doch erst auf "Europa" ist es uns gelungen, so einfach und direkt zu klingen, wie wir es schon vor zwei Jahren versucht haben.
Auf "Sequencer" waren die Songs zwar sehr einfach strukturiert, doch wir haben in die Songs einfach zu viele vielschichtige Sounds gepackt.

Eine ganz gesunde Entwicklung eigentlich, denn im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Bands haben COVENANT schon in der Vergangenheit bewiesen, daß sie Songschreiber sind, die ihre Visionen und melodischen Ambitionen in sehr kompakter, transparenter Form vermitteln können. Auf "Europa" muß man den Song nicht mehr "ausgraben", bzw. sich durch diverse Klangschichten arbeiten, um die Essenz zu erkennen. Genau das Gegenteil ist der Fall:

"Europa" klingt fast zu gleichförmig, zu wenig illustrierend; die Kompositionen dagegen sind direkter und ausgearbeiteter als zuvor.....


Eskil Simonsson:

Da ist etwas dran...! Unser Ziel auf "Europa" war es, leicht zu konsumierende Musik, also Popmusik im üblichen Sinne zu produzieren. "Sequencer" war eigentlich ein sehr introvertiertes Album, auf dem die Strukturen eigentlich noch enger und strenger waren als auf "Europa". Mit "Europa" gehe wir auf die Leute zu, wir wollen kommunizieren.

Zweifellos ist "Europa" direkter und unmittelbarer, als jede andere Veröffentlichung der drei Schweden.

Gleichzeitig graben COENANT deutlich tiefer in ihrer Vergangenheit und demonstrieren ihre Vorlieben und Wurzeln.

Hört man Tracks wie "Leviathan" offenbaren sich vor allen Dingen gesanglich Parallelen zu frühen Elektro­Bands wie den Human League zu Zeiten ihres Debüts "Reproduction"....


Eskil Simonsson:

Interessanter Vergleich...habe ich noch nie so gesehen! Doch es stimmt schon, wir arbeiten mit denselben Effekten. Wir wollen, daß die Stimme sehr trocken klingt und trotzdem genug Raum hat, um sich zu entfalten. Und auch Bands wie Human League wußten schon, daß es sinnvoller ist, mit weniger Aufwand mehr zu erreichen.
Ebenso wie The Human League zu ihrer Zeit weigern wir uns geradezu, alle Möglichkeiten zu nutzen, die uns zur Verfügung stehen.
Wir haben das Equipment bewußt reduziert und uns nur auf wenige, spezielle Sounds konzentriert. Für uns war es wichtig, daß das Album selbst eine einheitliche, geschlossene Struktur bekommt. So ist das Album auch entstanden. Sämtliche Songs wurden in einer sehr kurzen Zeitphase geschrieben und auch aufgenommen.

Sicher wäre es übertrieben, im Falle von "Europa" von einem Konzeptalbum zu sprechen, obwohl der Titel gerade dies impliziert. In zahlreichen Interviews haben COVENANT bereits halbherzig und ausweichend versucht, diesen Titel zu erklären.

Ein Aspekt, der von meinen schreibenden Kollegen bislang aber außer acht gelassen wurde, ist die kulturelle Verbindung: Als elektronische Puristen müssen sich COVENANT zumindest musikalisch als Europäer fühlen, denn wenn der europäische Kontinent eine popmusikalische Tradition und Wurzel vorzuweisen hat, dann ist es die elektronische Musik...!


Eskil Simonsson:

Der Titel war zunächst nur ein fast beliebig gewählter Name für das Albumprojekt.
Erst kurz vor der Fertigstellung haben wir beschlossen, das Album auch so zu benennen. Der Grund, warum wir das Album so betitelt haben, entsprang mehr einem intuitiven Gefühl. Kurz vor dem Ende der Aufnahmen haben wir zudem einen Film namens "Europa" von einem dänischen Regisseur gesehen. Ebenso wie für ihn ist für uns Europa eine imaginäre Welt, es geht nicht um den Kontinent oder die europäische Gemeinschaft ­ hier soll eine mögliche, andere Welt entworfen werden... .

Sehr vage das Ganze...! Die Attitüde, nicht allzuviel preisgeben zu wollen und in den Aussagen bewußt sehr beliebig und offen zu sein, gemahnt an andere europäische Elektro­Ikonen, die sich schon vor Jahren mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, ich erinnere nur an das "Nato"­Album von Laibach oder Kraftwerks "Trans Europa Express"...


Eskil Simonsson:

Wir wollen das nicht genauer erklären, denn die Leute sollen sich ihre eigenen Gedanken machen.
Und wenn Du das nicht verstehst, dann ist es auch in Ordnung.
Jede Idee und Assoziation, die Du zu diesem Thema und dem Album entwickelst, ist wahrscheinlich richtig! Das war auch die Idee dieses dänischen Films, der uns inspiriert hat: Gezeigt wurde nicht das Europa, in dem wir leben, sondern eine parallele, fiktive Welt, die nichts mit den üblichen Fragen und Problemen wie Euro, Vereinigung usw. zu tun hat.
Wir selbst fühlen uns auch nicht als Europäer, wir sind in erster Linie Menschen. Natürlich wird unsere Herkunft in der Musik und den Texten reflektiert ­ doch darum geht es nicht auf "Europa"!

Zu dem erwähnten Film selbst konnten oder wollten CONVENANT nichts sagen, zudem sank das Interview nun auf ein Niveau herab, das ich schon des öfteren erleben mußte: Wenn die Inhalte zu schwach sind, muß man sie eben mit Mystik und zweideutigen Aussagen aufwerten, ohne auch nur einen interpretierbaren Anhaltspunkt zu bieten...


Das trifft nicht zuletzt auf die sehr bildlichen, sehr assoziativen Texte von "Europa" zu, die, wie in "Final Man" oder "Wall Of Sound" in erhöhtem Maße von sehr verzweifelten, desolaten Kreaturen berichten.....


Eskil Simonsson:

Die Texte sind eine natürliche Konsequenz unseres Denkens und unseres Gefühls. Die Texte sind bewußt so verfaßt, daß man sie in alle möglichen Richtungen interpretieren kann.
Ich denke, ich muß den Leuten nicht sagen, was ich meine und wie ich zu gewissen Dingen stehe. Natürlich sind es schon unsere Gedanken, doch wir schreiben sie in einer Form nieder, die für jede Assoziation Raum läßt. Das, was ich fühle und das, was Du fühlst, sind wahrscheinlich zwei verschiedene Dinge. Doch es gibt keine "richtigen" und "falschen" Gefühle ­ und somit auch keine richtige Interpretation!
Im Gegensatz zur Musik wurden die Texte weniger konstruiert, sie sind geradezu "unbewußt" entstanden und wurden nur wenig verändert, damit sie eine Struktur und einen Rhythmus besitzen. Je verwirrender und widersprüchlicher der Text geriet, um so besser ist er...!

Aha..!

Reden wir zu guter Letzt lieber über offensichtliche Dinge, wie z.B. das Image der Band. Wohingegen viele EBM­Bands immer noch die "harte Schale" bevorzugen, kleiden sich COVENANT schon seit Jahren konsequent im Konfirmanden­Anzug inklusive korrekt gebundener Krawatte. Gewollte Parallelen zu Vorbildern wie Kraftwerk sind hier unübersehbar, obwohl COVENANT eher wie die Schmalspurausgabe der frühen Heaven 17 anmuten...!


Eskil Simonsson:

Es ist schon merkwürdig, aber viele unserer Fans sprechen uns darauf an und haben große Probleme mit unserem Image, weil wir ihnen wohl nicht hart genug sind...!"

Die gestriegelten, in Anzügen gekleideten Kraftwerk hatten in den 70er Jahren dieselben Probleme. Nur hier war es die alternative Hippie­Szene, die damit Probleme hatte...!


Eskil Simonsson:

Kraftwerk waren doch selbst Hippies, die sich nur verkleidet haben! Guck Dir doch mal das Rückcover von "Autobahn" an, wie die da noch aussahen!
Außerdem denke ich nicht, daß wir ein Image haben! Wir wollen kommunizieren, mit den Leuten in Verbindung treten, wir wollen, daß die Welt eine große Gemeinschaft wird. Und dieses Anliegen mit einem Image zu demonstrieren, ist eine Unmöglichkeit.

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