Login
Username:

Passwort:




Password vergessen?
 
Jetzt registrieren!

 Neue Mitglieder
homesick_alien
( 24.07.2010 )
Nordlichttanzt
( 18.07.2010 )
sleepchamber
( 16.07.2010 )
constance
( 11.07.2010 )
thaddel1976
( 10.07.2010 )


 Wer ist Online
5: Besucher
0: Mitglied (er)

Du bist ein Gast
Melde Dich vorher erst an!

zuletzt Online
cesiri
: 9 Stunden 50 Minuten her
SchwarzeBlume69
: 20 Stunden 25 Minuten her
linasdriver
: 1 Tag 17 Stunden 43 Minuten her
ElegantForm
: 2 Tage 17 Stunden 19 Minuten her
homesick_alien
: 6 Tage 28 Minuten her

 
Interviews : Witt Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 23.07.2002 13:57 (5658 x gelesen)




Witt

Alle Jahre wieder.

Vom beschaulichen Wiedenbrügge in ein noch beschaulicheres Nest in der Schleswig-Holstein'sche Provinz unweit Lübeck.

Grund für diesen Trip ist das neue Oeuvre von Joachim Witt, veröffentlicht mehr als 2 Jahre nach seinem letzten Werk "Bayreuth 2".

Der Erfolg von "Die Flut" liegt nun schon einige Jahre zurück - und weit mehr als das aktuelle Album "Eisenherz" machte Witts Bandscheibenleiden Schlagzeilen, wegen dessen er auch die für den Sommer anberaumte Tournee absagen musste.

Immer noch nicht vollkommen genesen aber auf dem Weg zur gewohnten Stärke empfängt mich Witt diesmal in seinem an einem idyllischen See gelegenen Studio, das, neben Perons Liquid Gold-Studios in Grafschaft, definitiv das schönste Ambiente besitzt, das ich bislang betreten durfte...

Von den Naturschönheiten um ihn herum ließ sich Witt bereits auf "Bayreuth 2" inspirieren - auf "Eisenherz" ist davon eher weniger zu spüren...



Dieses Interview ist das dritte, das Witt für dieses online-Magazin gibt, obwohl er dem Medium Internet und den damit verbundenen Möglichkeiten des kostenfreien Tauschens und Downladen von Musik nach wie vor sehr kritisch gegenüber steht.

Selbstverständlich ist auch sein neues Album von der Sony kopiergeschützt, erst vor einigen Tagen wurden die großen Tauschbörsen wie Audiogalaxy dicht gemacht - dennoch ist das Problem für Witt nicht einmal im Ansatz gelöst...

Joachim Witt: "Es ist de facto so, dass alle Künstler mit Einsatzbußen von bis zu 50% leben müssen. Durch die Bank! Wenn sich da nicht bald etwas Grundlegendes ändert, werde ich mir wohl ernste Gedanken machen müssen. Dieses Kopieren und Downloaden ist geistiger Diebstahl; ein Diebstahl, für den es noch nicht einmal ein Schuldbewusstsein gibt. Jeder bedient sich wie in einem Selbstbedienungsladen - und der Künstler fragt sich, wozu und warum er überhaupt noch etwas veröffentlicht!
Ich habe in dieser Beziehung mittlerweile eine sehr militante Haltung entwickelt. Ich würde drakonische Strafen verhängen. Es müssten gezielt Scouts mit Insiderwissen aus der Szene rekrutiert werden, die mit den Plattenfirmen kooperieren und die die Mechanismen der Tauschbörsen und Kopierer aushebeln.
Ich würde auf die CDs zudem Programme einbinden, die das Betriebssystem sofort zerstören, sobald die CD in den Computer geschoben wird. Gnadenlos. Der jetzige Versuch der Plattenfirmen, durch Kopierschutz das Problem zu beheben, ist Pipikram, der zudem mehr Unmut verursacht, als dass es dazu führt, das Problem mit der Wurzel zu beseitigen.
Versteh mich recht, ich verurteile nicht die Menschen, die sich meine CD kopieren. Es ist eine ureigene menschliche Eigenart, dass man sich das, was es umsonst gibt, auch ohne Zusatzkosten holt. Das bekommt man auch moralisch nicht aus den Köpfen raus. Dennoch ist es ein Riesenproblem!"

Ein Problem, dass gerade Firmen wie Sony durch die Entwicklung und Förderung von mp3-Playern selbst verursacht oder zumindest vorangetrieben haben!
Zudem verhindert das CD-Format selbst den Fetisch. Es ist eben nur ein Datenträger. Und der musikalisch tätige Künstler sieht sich noch weit drastischer als zuvor mit dem Problem konfrontiert, dass er mit einem flüchtigen, kaum greifbaren Medium arbeitet, für das es noch nicht einmal einheitliche Wertmassstäbe gibt.

Joachim Witt: "So ist es. Es ist zum Kotzen, wenn ich mitbekomme, dass hochwertige Kunstwerke kopiert werden, auf die dann auch noch mit dem Edding raufgekritzelt wird.
Ich sehe mich wie ein Handwerker, wie ein Maurer, der ganz normal seiner Tätigkeit nachgeht und am Ende des Monats seinen Lohn fordert. Nur ein Haus oder eine zementierte Mauer kannst Du halt nicht kopieren.
Dass gerade die Sony diese Technologie fördert und auch CD-Rohlinge verkauft, finde ich abartig. Ich bin auch der Meinung, dass CD-Rohlinge nur noch für professionelle Zwecke verkauft werden dürften und würde es auch verbieten, CDs zur privaten Kopie freizugeben. Denn das kannst Du eh nicht kontrollieren oder irgend eine Grenze ziehen.
Hier ganz radikal vorzugehen ist die einzige verbleibende Möglichkeit - ebenso wie die Tatsache, dass sämtliche Radiosender oder auch Viva oder MTV nicht eine einzige Note spielen dürften, ohne für jeden Titel zu bezahlen. Unsere Videos und Songs sind Kunstprodukte, keine Promotionplattform! Und deshalb sind sie einzukaufen! Es geht ganz einfach darum, die Urheberrechte zu schützen!"

Könnte man sich bei Funk und Fernsehen noch eine einvernehmliche Lösung vorstellen, so ist ein solches Agreement im Medium Internet kaum möglich.
Hier hinkt die Gesetzgebung, ja selbst der Dialog weit hinter den technischen Entwicklungen und Möglichkeiten hinterher...
Joachim Witt: "Gerade darum ist es zwingend notwendig, extrem flexibel zu sein. Die Plattenindustrie muss Abteilungen schaffen, die genauso fit sind wie die Leute, die aus der Szene heraus arbeiten. Was auch bedeutet, dass du die Leute auf deine Seite ziehen musst, die dieses Szenewissen haben und die darauf reagieren können. Wenn Du z.B. ein Kopierschutzprogramm entwickelst, das das Betriebssystem abstürzen lässt, so wird es nicht lange dauern, bis jemand ein Gegenprogramm entwickelt. Und auf dieses Programm muss dann sofort reagiert werden!"

Diese Abteilungen dürften dann zu den teuersten innerhalb der Branche werden. Geht diese Rechnung auf?

Joachim Witt: "Meiner Meinung ja. Es hängen so viele Arbeitsplätze davon ab. Auch darüber macht sich niemand wirklich Gedanken. Was hier passiert, ist Terrorismus - und dem muss man mit Gegenterror begegnen."





Nicht zuletzt haben viele Musiker selbst dieser Entwicklung Vorschub geleistet:
Aufgrund der Veröffentlichungspolitik und der zum schnellen Konsum animierenden Strukturierung der temporären Popalben hat sich das Medium über die Jahre selbst entwertet - und das genreübergreifend.

Witt selbst bildet da nach wie vor eine rühmliche Ausnahme:
Obwohl "Eisenherz" der konzeptionelle Charakter der Vorgänger fehlt, fügt sich der dritte Teil der "Werkreihe Bayreuth" nahtlos an die Vorgänger an...

Joachim Witt: "Ich versuche, dieser Schnelllebigkeit mit Wertigkeit zu begegnen. Ich achte immer sehr darauf, dass meine Songs gewisse Elemente besitzen, die haften bleiben. Das ist ein Anspruch, den ich auch an andere Songs stelle. Es muss Dinge geben, die ganz einfach aufmerksam machen und faszinieren. Das können bestimmte Harmonien, Refrainzeilen oder gekonnte Arrangements sein."

Zumal Witt seit einigen Jahren ja auch ein Klientel anspricht, das sich weit intensiver als andere mit der Musik und den Inhalten auseinandersetzt...

Joachim Witt: "Ja und nein. Die 'schwarze Szene' regt sich natürlich auch sehr schnell auf, wenn man irgend etwas präsentiert, was ihren Rahmen sprengt. Auf meiner Homepage musste ich schon heftige Kritiken entgegennehmen. Da gab es Leute, die das richtige Scheiße fanden.
Dabei ist 'Eisenherz' eigentlich eine bunte Mischung. Neben den 'dunklen' Sachen gibt es Stakkato-Gesänge, die in den 80er Jahren meine Eigenart waren und die mich wieder unheimlich gereizt haben, weil dieser Stil wirklich einzigartig ist und in das momentane 80er Revival-Flair so gut passt, dass ich es machen musste."

"Eisenherz" empfinde ich als weitaus "szenegerechter" als "Bayreuth 2". Abgesehen davon, dass es ein Album ist, auf dem Witt fast alle Facetten seines bisherigen musikalischen Schaffens eint und zeitgemäß inszeniert, ist der auf den Tanzboden schielende fordernde Up-Tempo-Charakter des Werks kaum zu überhören...

Joachim Witt: "Auf 'Bayreuth 2' wollte ich eine Grundstimmung erzeugen, die sich von der ersten bis zur letzten Note durchzieht. Das war so geplant und auch ausgeführt. Mich hat es immer genervt, dass viele Künstler nicht in der Lage sind, ein Konzept konsequent durchzuziehen und sich dazu verleiten lassen, doch noch einen 'Hit' einzubauen, der dich dann aus der Stimmung des Gesamtwerks reißt.
Auf der anderen Seite wirkt es sehr berechnend, wenn man es wiederholt, darum habe ich mir diesmal selbst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich wollte vermeiden, mich in Wiederholungen zu ersticken und mir selbst auf die Nerven zu gehen. Ich wollte diese Auflockerung. Zudem hatte ich noch vor dem ganzen 80er Jahre-Hype das Gefühl, dass die Elemente, die ich damals benutzt habe, wieder sehr gut in die heutige Zeit passen Diesen Wendepunkt gab es während den Aufnahmen. Zuerst drohte das Album mit Stücken wie 'Trauer liegt über'm See" ähnlich melancholisch zu werden wie 'Bayreuth 2' - doch als ich an dem Song 'Supergestört Und Superversaut' gearbeitet habe, hat es mich wieder gepackt. Das Stück hat eine ähnlich hypnotische Sequenz wie damals der 'Herbergsvater'. Damit war der Weg klar: Harte Elektronik und raus aus der Melancholie!"

Dennoch ist "Eisenherz" beim ersten Hören ein irritierendes Wechselbad.
Mag der Witt-Fan der ersten Stunde die stilistischen Selbstzitate noch zuordnen können, so wird der Jungspund, der von Witt nur die dräuende Schwere der "Bayreuth"-Reihe kennt, zunächst irritiert sein.
Dabei war die Vielfalt von "Eisenherz" keine bewusste Aufarbeitung...

Joachim Witt: "Es war eine reine Bauchentscheidung. Aus dem Sofa hoch, direkt vor den Computer, den Beat zwischen die Augen und Stakkato-Gesang! Im Nachhinein hätte ich einige Songs sogar noch härter gemacht. Mit noch mehr Metal-Gitarren, die sich dann aber auch in Melodienbögen auflösen und ein wenig in die Tiefe gehen. Das zumindest werde ich auf dem nächsten Album versuchen."

So gesehen ist das elegische Finale des Albums "Trauer liegt über'm See" nicht nur wegen der Verwendung von Naturbildern und Metaphern das einzig ersichtliche Bindeglied zu "Bayreuth 2" ...

Joachim Witt: "Das Stück ist sogar noch in dieser Phase entstanden. Inhaltlich hat es aber eher mit meiner Mutter zu tun, der es nicht besonders gut geht und wegen der ich mir oft große Sorgen mache. In dem Song geht es einfach um die Gefühle eines Sohnes, der mit dem Ableben der Mutter rechnen muss."

Diese introvertierten, mit ausschmückenden Metaphern besetzten Songs sind selten auf "Eisenherz".
Selten war Witt derart direkt und unverklausuliert, zumindest textlich. Mit seinem Stakkato-Gesangs verfällt er allerdings wieder zusehends in die affektierten Manierismen der 80er Jahre. Fair enough, immerhin ist er einer der wenigen deutschen Sänger, der diesen Stil bis zur Perfektion kultiviert hat und der mich in Stücken wie "Du Teufel" oder "Supergestört Und Superversaut" gar an den frühen Bryan Ferry erinnert...

Joachim Witt: "Da magst Du nicht ganz Unrecht haben. Die frühen Roxy Music, aber auch der frühe Lou Reed haben mich sehr inspiriert. Und die haben ja alle mit diesen Sprechgesängen gearbeitet. Lou Reeds 'Transformer' ist für mich immer noch ein Jahrhundertwerk.
Zudem möchte ich behaupten, dass ich eine sehr chamäleonartige Persönlichkeit besitze, auch bedingt durch mein Sternzeichen Fische. Ich kann mich sehr gut in Dinge und Personen hineinfühlen, ich war immer sehr flexibel in meinen Ausdrucksformen. So kann ich mich auch in Stimmungen fallen lassen, die nicht unbedingt meine eigenen sein müssen. Es ist eine Kombination von inneren Empfindungen und Beobachtungen, ich könnte auch in noch ganz andere Stilrichtungen gehen, aber ich habe mich entschlossen, die Menschen nicht zu sehr zu verwirren, nur um sich selbst auszuprobieren. Das habe ich ja eine zeitlang gemacht - und das dankt dir keiner!
Dass Du die Texte als so direkt, wütend und unverklausuliert empfindest, überrascht mich ungemein! Als ich das Album fertig hatte, habe ich mich gefragt, wie Du das wohl finden würdest und bin zu dem Entschluss gekommen 'der Ecki findet das bestimmt richtig Scheiße'. Ich bin ziemlich erstaunt, wie du das so empfindest, auf der anderen Seite freue ich mich, weil ich mich verstanden fühle."





Ich denke dennoch, dass man sich schon etwas länger in dem Witt-Kosmos bewegt haben muss, um sämtliche Zwischentöne und Nuancen zu erfassen.
Irritierend ist auch, dass ausgerechnet Witts Freundin Nadja Saeger für einen Großteil der Texte verantwortlich war - zudem für die Texte, die einen besonders aggressiven, maskulinen Charakter besitzen...

Joachim Witt: "Es war schlichtweg die Angst vor Wiederholungen. Es ist für mich ohnehin eine Qual, Texte zu schreiben. Musikalisch ist mir sehr viel eingefallen, aber was die Texte angeht, fühlte ich mich total ausgepowert. Ich hatte auch nicht den Drang, mich mitzuteilen, dennoch gab es während der Produktion den Druck, dass da bald mal was kommen müsste. Ich hatte aber keine Lust, irgend etwas zu schreiben, nur damit etwas da ist. Darum habe ich Nadja gefragt. Ich wusste, dass sie gut schreiben kann - und es war genau die richtige Entscheidung. Es ist logischerweise eine weiblichere Sicht der Dinge. Ich arbeite z.B. lieber mit Bildern, Nadja geht eher persönlicher, interaktiver an die Themen heran. Dennoch sind viele Elemente von mir in den Texten enthalten, sonst könnte ich sie gar nicht singen. Wir sind kein Paar, dass sich durch Gegensätze anzieht. Wir sind deshalb zusammen, weil wir sehr viele Gemeinsamkeiten haben."

Erstaunlich. Gerade Nadjas Texte repräsentieren Witt typischer und komprimierter als seine eigenen. Ein gelungenes Experiment - aber auch ein Wagnis. Denn gerade wegen der Emotionalität und der Nähe der beiden hätte es auch zur Katastrophe führen können...

Joachim Witt: "Das würde ich nicht so sehen. Gerade die sehr aggressiven Texte wie 'Du Teufel' sind nicht unbedingt maskulin, sondern ganz einfach direkter, analytischer - und damit weiblicher als meine Texte. Ich könnte so etwas gar nicht schreiben. Nadjas Texte kannst Du sehr klar und einfach fassen; meine Geschichten arbeiten vorwiegend mit Bildern, sind sehr offen und lassen sehr viel Phantasie zu."

Witts eigene Texte dagegen sind in ihren vermeintlich vordergründigen Aussagen zunächst irritierend und in ihrer gespielten Trivialität teilweise sogar ärgerlich. Einer dieser Songs ist "Ich bin schwul"...

Joachim Witt: "Gerade weil ich schon ganz positive Reaktionen aus der Schwulenszene erhalten habe, ist für mich ein Zeichen, dass ich den Punkt getroffen habe. Ich habe mich ohnehin schon immer als Kopf-Schwulen bezeichnet und habe mit diesem Thema nie Berührungsängste gehabt. Und es ist ein Thema. Ich habe es so oft erlebt, dass jemand, genau wie die Person in dem Song, erst sehr spät entdeckt at, dass er schwul ist. Zudem war der ganze Song von seinen Harmonien und vom Aufbau schon so schwul, das sich der Text ganz von selbst ergeben hat."

Akzeptiert.

Kaum verzeihlich ist allerdings der Song "Steif".
Der Titel suggeriert bereits den stumpfen Inhalt: Es geht um die primären sexuellen Mechanismen eines Dorfdiscobesuchs - vorgetragen in der Sprache der beobachteten Klientel, die jeglichen Witz und Abstraktion vermissen lässt...

Joachim Witt:"Zu dem Song wurde ich auf einer Scheunenfete hier bei uns auf dem Dorf inspiriert... Es läuft doch immer nach demselben Schema ab. Immer die gleichen Sprüche, immer wieder die gleichen Verhaltensmuster. Mich amüsiert das mittlerweile wirklich. Ich gehe zudem davon aus, dass sich jeder dort befindliche Mann mindestens alle 10 Minuten fragt, ob "Er" nicht bald steif wird. Das geht mir ja selbst nicht anders. Bei dieser Reizüberflutung kann man doch an nichts anderes mehr denken. Doch andere sprechen es nicht aus! Gerade Männer reagieren auf körperliche Reize und Merkmale besonders heftig, wollen es aber nicht zugeben! Ich finde das auch gar nicht verwerflich, denn es hat ja auch eine gewisse Natürlichkeit, Bodenhaftung und Normalität.
Und ich wollte mit 'Steif' sehr direkt und auch humorvoll ein. Als ich das Stück Freunden zum ersten Mal vorgespielte, haben sie nur abgelacht. Sexuelle Themen sollte man immer sehr lebensnah und auf den Punkt formulieren. Ich würde sogar noch weiter gehen. Ich hätte unbändige Lust, eine ganze CD nur mit Songs im Stil von 'Steif' zu machen. Gespickt mit den richtigen Sauereien, aber so erzählt, dass man nicht peinlich berührt ist. Säuisch, aber ironisch."

Mal den Fall gestellt, dieser Song würde als Single veröffentlicht und von der Ballermann-Fraktion auf Mallorca zur neuen Hymne auserkoren werden... Hätte er damit Probleme?

Joachim Witt: "Wunderbar. Damit hätte ich kein Problem. Wenn ich den Song selber komisch finde, dann schäme ich mich auch nicht dafür, wenn ihn andere komisch finden.
Wenn ich ihn aus Berechnung gemacht hätte, wäre es etwas anderes. Zudem fände ich es großartig, wenn jemand dieses Stück so richtig prollmässig covern würde, dann hätte ich diese ganze Sauerei nicht mehr am Hals."





Wer würde ihm da vorschweben? Fips Asmussen?

Joachim Witt: "Keine Ahnung. Auf jeden Fall hätte ich keine Scheu, jede Menge Texte zu schreiben, weil es auf diesem Gebiet so viele Dinge gibt, die ich noch nicht ausgesprochen habe, aber gerne sehr viel rauslassen würde..."

Wie wäre es mit dem Ex-Big Brother-Star Christian? Steve Van Velvet, der Mann der für Christians "Es ist geil, ein Arschloch zu sein" verfasste, ist auch der Autor des Titelstücks "Eisenherz".
Obwohl auch dies eine Fremdkomposition ist, scheint sie Witt perfekter auf den Leib geschneidert zu sein, als seine eigenen Songs...

Joachim Witt: "Steve Van Velvet hat den Song für mich geschrieben. Er ist mir zugeschickt worden und die Sony war der Meinung, dass es eine ganz gute Single wäre, da sich auf dem Album wenige Songs befinden, die als Single geeignet wären.
Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich es machen soll, doch alle aus meiner Umgebung fand das Stück so stark, dass ich es mir schließlich schön gehört habe.
Es ist schon notwenig, eine wirklich griffige Nummer als Single zu haben - sonst kann man es gleich sein lassen. Obwohl ich vom Demo nicht so überzeugt war, hat mich das Endergebnis sehr zufrieden gestellt.
Steve Van Velvet ist auch ein begnadetes Chamäleon von hohem Talent. Er hat unter anderem 'Egoist' für Falco oder 'Deutschland' für die Prinzen geschrieben. Er ist sehr gut darin, sich in das Wesen und die Stimmung desjenigen hineinzuversetzen, für die er schreibt. "

Weitaus interessanter und authentischer dagegen die nächste Single, die den mit Abstand besten Song des Albums in einer von Oomph! gemixten Version enthalten wird: "Supergestört Und Superversaut".

Joachim Witt: "Eigentlich ist es ein Song über die Globalisierung. Bei vielen Leuten besteht ja der berechtigte Verdacht, dass diese Globalisierung zugunsten des fließenden Kapitals und nicht zum Wohle der Bevölkerungsgruppen der jeweiligen Länder vonstatten geht. Und um da einen Ausgleich zu schaffen, ist noch sehr viel Arbeit nötig.
Darum unterstütze ich auch Organisationen wie Atak, die diese Prozesse beschleunigen wollen. Ich unterstütze sie zwar nicht fahnenschwingend oder durch agitatorische Protestgesänge, doch ich möchte schon die Leute fördern, die wieder ein neues kritisches Bewusstsein an den Tag legen und darauf achten, dass nicht alles aus dem Ruder läuft.
Dieses ganze Börsenwesen und dieser Neoliberalismus sind hochgradig gefährlich und ungesund. Menschen werden entlassen, um Firmen zu rationalisieren und die Börsenkurse steigen zu lassen. Bilanzen werden gefälscht und die Firmen kommen damit durch. Völlig verschroben und völlig krank. Dabei handelt es sich nur um eine verhältnismäßig kleine Gruppe, die dennoch die Macht hat, das Kapital ohne Rücksicht auf alles andere zu potenzieren und zu verschieben. Und um solche Menschen geht es in dem Song."

Wie reagiert der typische Witt-Fan auf "Eisenherz"?

Joachim Witt: "Man muss zwischen denen unterscheiden, die erst seit 'Bayreuth 1" dabei sind - und denjenigen, die mich seit den frühen 80er Jahren kennen. Für die 'Bayreuth'-Fans war das Album zu Beginn sicher sehr befremdlich, zumal zu wenig 'dunkle' Sachen drauf sind. Diejenigen, die meine Geschichte kennen, sind in der Regel begeistert. Das Album ist dermaßen gemischt, dass man es sicher nicht allen Recht machen kann - auf der anderen Seite hat mich gerade das über die Jahre ausgezeichnet."



Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund

Die hier veröffentlichten Artikel und Kommentare stehen uneingeschränkt im alleinigen Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors.

 
 DAC



Woche 22

1 Machine Gun
Portishead
2 Looking Glass
Birthday Massacre
3 Katharsis/Feuer Frei
Nachtmahr
4 Stay With Me
Jesus On Extacy
5 Radioman
State Of The Union
6 Hydra
Iris
7 Swallow
Emilie Autumn
8 Tanzt kaputt was Euch kaputt macht
Straftanz
im Shop
9 Feel The Silence
Elegant Machinery
10 Re:Up
Soman


mehr...

powered by


 Suche

 Rezensionen
Chandeen

Jutland
(8829)


Artwork

Inventario
(8175)


Steril

Realism
(8883)


Crack Of Doom

Washed Out Moon
(8497)


Carlos Perón

La Salle Blanche
(13647)


IAMX

The Alternative
(8683)


Insekt

Teenmachine
(8301)


Dismantled

Standard Issue
(7114)