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Arcana Obscura
Es ist unmöglich, dieses Projekt auf einen stilistischen Nenner zu bringen:
Schon seit 1994 ist Arcana Obscura aktiv und Kopf und Initiator Thomas Gäbhard hat seitdem seine stilistisch weit gefächerten Visionen von Industrial, EBM, mittelalterlicher Musik und ethnischen Klängen in verschiedenen Phasen stets sehr radikal und punktiert ausgelebt.
Erst das neue Album Lies vereint alle bisher erarbeiteten Stilistiken zu einem homogenen Klangbild…
Die bisher gezeigte Vielfältigkeit, die beim außenstehenden Betrachter auch als ewige Suche oder gar Sprunghaftigkeit missverstanden werden könnte, verhinderte es bislang, dass Arcana Obscura die flächendeckende Resonanz erfuhren, die ihnen eigentlich gebührt.
Dessen ist sich auch der Initiator bewusst…
Thomas Gäbhard: „Ja, manchmal hat man das Gefühl, es wäre eine ganz andere Band. Doch das ist ja bereits im Namen definiert. Arcana Obscura bedeutet soviel wie ‚seltsame Mischung’ oder ‚geheimnisvolles Elixier’ und ist ein Begriff aus der Alchemie.
Für mich klingt es trotz der Mixtur der vielen Stilrichtungen immer noch wie aus einem Guss. Allen Veröffentlichungen gemein ist die düstere, mystische Grundstimmung und das elektronische Instrumentarium.
Ursprünglich war ich ein Fan der elektronischen Musik der 70er Jahre, ich mochte Bands wie Tangerine Dream sehr gern. Durch einen Freund, der eher die harte Elektronik der 80er Jahre, also Bands wie DAF, bevorzugte, kam ich dann dazu, wesentlich rhythmischer zu werden. Ab diesem Zeitpunkt begann ich dann zweigleisig zu fahren.“
Waren die ersten Arcana Obscura-Produktionen wie Delusion oder Fields Of The Lost noch geprägt vom archetypischen EBM mit starken Gothic-Anleihen, so signalisierte das 2003er-Album Live Im Völkerschlachtdenkmal - Leipzig 2003 einen drastischen Stilbruch und Wende: Unter dem Namen Arcanum Obscurum trat die Band in einer neuen Besetzung an, um mittelalterlichen und archaischen Klanglandschaften mit zum Teil originalen Instrumenten des Mittelalters zu kreieren, unterstützt von der Opernsopranistin Sabine Stelzer.
Thomas Gäbhard selbst griff dabei auf schon bekanntes Material von Arcana Obscura zurück, das nun völlig neu arrangiert dargebracht wurde…
Thomas Gäbhard: „Das war eigentlich purer Zufall. Schon einige Instrumentalstücke zuvor, wie z.B. ‚Forgotten Time’ von dem ‚Delusion’-Album besaßen einen leicht mittelalterlichen Einschlag und waren komischerweise auch auf vielen Samplern mit mittelalterlicher Musik zu hören.
Ins Rollen gebracht hat die mittelalterliche Inszenierung eigentlich Sabine Andres, die sich in dieser Musik sehr gut auskennt.
Natürlich war mir klar, dass es für unsere Fans jetzt noch schwieriger wird, uns zu folgen. Wir hatten da auch immer Probleme mit den Veranstaltern, die wir zu jener Zeit gebeten haben, diese Konzerte explizit als Mittelalter-Events zu deklarieren. Doch das hat nie richtig funktioniert. Da kamen dann Leute mit Front Line Assembly-T-Shirt und wir haben Flöte gespielt…“
Dieser stilistische Zickzack-Kurs brachte der Band zwar stets gute Kritiken, wirkte sich aber nicht unbedingt positiv auf ein in sich geschlossenes Image der Band aus…
Thomas Gäbhard: „Aus dem Grund unterteile ich es jetzt zumindest nach den Kategorien ‚schnell’ und ‚ruhig’. In Arcana Obscura soll fortan nur noch der schnelle, elektronische Aspekt zum Tragen kommen; die ruhigen, rituellen und mittelalterlichen Elemente werden in anderen Projekten verstärkt weiterverfolgt. Es war einfach notwendig, weil sich auch zwei völlig konträre Lager von Fans gebildet haben. Das war auch der Grund, warum ich einen weiteren Mittelalterauftritt beim diesjährigen WGT in Leipzig abgesagt habe, denn langsam hätte uns kein Mensch mehr geglaubt, dass wir auch etwas anderes machen.“
Dennoch sind mittelalterliche Elemente, mehr aber noch diffizil eingewobene ethnische Elemente auch auf dem neuen Album Lies zu hören – ein Werk, das sämtliche bisher verarbeiteten Qualitäten der Band vereint und ohne Zweifel ihre bisher gelungenste und trotz der immer noch vorhandenen Vielfältigkeit auch die homogenste Produktion darstellt: Die perkussiven Elemente dominieren, sei es in dem klassischen, melodischen EBM „Evidence“ oder, weitaus subtiler, in einem Track wie „Contaminate“, der teilweise an die frühen Creatures gemahnt…
Thomas Gäbhard: „Mir war es wichtig, dass das Album eine durchgängig tanzbare, elektronische Platte wird, obwohl ich auf dieses Ziel nicht bewusst hingearbeitet habe.
Ich mache für mein Leben gerne Musik und arbeite nie konkret für ein bestimmtes Projekt. Das heißt nichts anderes, als dass erst die Stücke entstehen und ich mich erst nach der Produktion oder in der Entstehungsphase entscheide, zu welchem Projekt sie am besten passen. Nur wenn ich mit anderen Musikern intensiver arbeite, gehe ich gezielter vor. Das ist dann schon ein anderer Ansatz.“
Neben Arcana Obscura betreibt Thomas Gäbhard unter anderem noch das Projekt Disastrous Din – ein bewusst harsches, kompromissloses Industrial-Projekt, auf dessen Alben dennoch zahlreiche Skizzen und Protoversionen späterer Arcana Obscura-Stücke zu hören sind…
Thomas Gäbhard: „Ich mag es sehr, das Entwicklungsstadium verschiedener Stücke zu zeigen. Das Stück Moloch z.B. war zunächst ein Disatrous Din-Track, der mittlerweile in einigen Varianten auf nahezu jedem Album dieses Projekts enthalten ist und parallel auch für Arcana Obscura in verschiedenen Versionen bearbeitet wurde. Von diesem Stück gibt es also sowohl eine Industrial-Version als auch ein operesque Variante! Es gibt halt einige Stücke, aus denen man viel machen kann und die sich im Laufe der Zeit stetig verändern.
Disastrous Din war ursprünglich einmal das bewusst harte Industrial-Gegenstück zu Arcana Obscura, doch von der ursprünglichen Härte bin ich immer mehr abgewichen. Heute ist das Projekt in erster Linie ein elektronisches Experimentierfeld.“

Thomas Gäbhard ist nicht nur Kopf der oben genannten Projekte, sondern betreibt auch noch das Label Consequence, deren aktuelle Veröffentlichungen sowie der komplette Backkatalog bei uns zum legalen Download im Shop verfügbar sind.
Dabei sind sämtliche Produktionen von Arcana Oscura, Disastrous Din, Call, D'Arcadia, Organized Noise, Swans Of Avon, Nova Exprexx und Jana Lanka.
Allesamt stilistisch sehr unterschiedliche Bands. Das Spektrum reicht vom gitarrenlastigen Gothic (Swans Of Avon) über harten S/M-EBM (Call) bis hin zum moderaten Ethno-Pop einer Jana Lanka.
Wo ist hier der rote Faden, nach welchen Kriterien stellt Thomas Gäbhard das Programm des Labels zusammen?
Thomas Gäbhard: „Da gibt es keinen roten Faden. Meist sind die Bands auf mich zugekommen. Und entweder sie haben mir gefallen – oder eben nicht. Ich habe nie darauf geachtet, dass sie wie Arcana Obscura klingen, sondern eher darauf, ob die Band meiner Meinung nach Potential besitzt und ob ich mit ihnen menschlich klar komme.
Natürlich würde ich keinen Hip Hop oder Jazz veröffentlichen, aber es gibt keine Labelphilosophie. Selbst eine zunächst eher unpassend wirkende Produktion wie die von Jana Lanka, die ich als World-Pop definieren würde, passt da hinein, wobei man sagen muss, dass die Demo-Aufnahmen noch etwas anders klangen und das Endprodukt sehr ausgefeilt und poppig produziert wurde“
Auf welche Platte auf seinem Label ist er besonders stolz?
Thomas Gäbhard: „Eine gemeine Frage. Ich könnte das Album Alive von Swans Of Avon nennen. Die haben bei mir ihre ersten Sachen veröffentlicht und sind dann zum großen Label BMG gegangen, wo sie sehr unzufrieden waren. Und es hat mich schon ein wenig stolz gemacht, dass sie dann zu Consequence zurückgekehrt sind, um dieses neue Album zu veröffentlichen.“
Wie sieht er sich und sein Label heute in der Szene, in der Etiketten und Marketing einen immer größeren Stellenwert einnehmen ?
Thomas Gäbhard: „Diese Szene ist das einzige, was wir haben, darum fühlen wir uns in ihr auch ganz wohl, obwohl ich mich bei einigen Bands schon frage, warum die nun gerade einen derartig großen Erfolg haben. Lästern möchte ich hier lieber nicht, vielmehr auf Bands hinweisen, die früher großartige Platten gemacht haben und heute quasi völlig verschwunden sind, wie z.B. Dance Or Die. Warum gibt es eine solche Band nicht mehr?
Nehme ich da z.B. Project Pitchfork, verstehe ich nicht, warum die so viel weiter gekommen sind als Dance Or Die. Klischees sind heute sehr dominierend. Schade.“
www.consequence-records.com


























