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Clan Of Xymox
Seit mehr als 20 Jahren gehören Clan Of Xymox zu den prägenden Bands des filigranen Gothic-Rocks und haben mit Songs wie Louise Geschichte geschrieben.
Ihr neues Album Breaking Point schließt direkt an die sehr frühen Werke an, ohne den Zeitgeist zu negieren…
Nach Jahren scheint Clan Of Xymox-Kopf Ronny Moorings wieder ganz bewusst zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Schon der Vorgänger Farewell deutete diese Richtung an, war aber nicht so entschieden wie „Breaking Point“, das vor cleveren Zitaten strotz, ohne sich dabei in bloßer Retro-Mentalität zu verlieren.
“Breaking Point“ ist zudem ein geographischer Wendepunkt:
Die Band ist vom beheimateten Amsterdam nach Leipzig gezogen…
Ronny Moorings: „Für mich ist das Album kein wirklicher Wendepunkt. Der Titel hat in erster Linie damit zu tun, dass wir unsere Heimat verlassen haben und nun in Deutschland leben. Das schlägt sich auch in den Texten nieder. Sie sind ungewohnt optimistisch, schauen nach vorne und beschäftigen sich mit neuen Beziehungen.“
Was war der Grund für den Ortwechsel?
Ronny Moorings: „Der Hauptgrund ist der, dass Leipzig eine sehr schöne Stadt mit einem sehr interessanten Nachtleben ist. Man kann jede Nacht ausgehen, es gibt hier wirklich sehr viel zu erleben. Zudem sind hier die Häuser wesentlich billiger als in Amsterdam. Doch der Hauptgrund ist, dass wir von Holland die Nase voll hatten. Die Atmosphäre in Amsterdam erinnert mich fast an einen Bürgerkrieg, das ganze Klima dort gefällt uns ganz und gar nicht mehr.“
In Leipzig haben es Clan Of Xymox auch nicht weit zum „Wave & Gotik-Treffen“…
Ronny Moorings: „Eigentlich findet in Leipzig jeden Abend ein WGT statt. Vor allem, weil uns hier jeden Tag sehr viele Freunde besuchen. Leipzig ist sehr inspirierend, immer mehr Künstler kommen hierher und es findet ein sehr reger Austausch statt. Das ist etwas, was mir in Amsterdam in den letzten Jahren gefehlt hat“
Weit mehr noch als „Farewell“ ist „Breaking Point“ ein Album im klassischen Stil. Ein gutes Beispiel ist die Single Weak In My Knees. Ein typischer Xymox-Song, die elektronischen Tupfer und Reminiszenzen weisen ihn dagegen als fast modischen Song aus…
Ronny Moorings: „ ‚Weak In My Knees’ ist der erste Song, den ich direkt nach dem ‚Farewell’-Album geschrieben habe und nicht ganz repräsentativ für den Rest. ‚Breaking Point’ besitzt eine eher ruhige, atmosphärische Grundstimmung.
Songs wie Pandoras Box oder Calling You Out sind meine persönlichen Favoriten. Sie besitzen zwar allesamt dieses ‚Old School-Feeling’, was auch daran liegt, dass ich die Songs immer noch sehr intuitiv schreibe. Ich weiß inzwischen sehr genau, was ich will und wie Clan Of Xymox klingen muss.“
Das war nicht immer so. Nach dem klassischen 86er Album „Medusa“ verlor sich die Band in zahlreiche Experimente, die von extrem poppigen Alben wie „Twist Of Shadows“ bis hin zu von Ronny Moorings im Alleingang eingespielten Rave-Experimenten auf den Alben „Metamorphosis“ und „Headclouds“ führten.
Erst das 97er Reunion-Album Hidden Faces ließ wieder Format erkennen…
Ronny Moorings: „Der zweite Startpunkt mit ‚Hidden Faces’ ist für mich eigentlich die beste und entscheidende Phase der Band. Davor war der Stil nie genau definiert, wir pendelten hin und her, ohne genau zu wissen, was wir wirklich wollen. Natürlich möchte ich diese Zeit und die gemachten Erfahrungen nicht missen, denn sie waren für den Stil und die Selbstfindung enorm wichtig. Für mich sind die Alben ‚Medusa’ und ‚Twist Of Shadows’ die wichtigsten der ersten Phase und wir haben diesen Faden wieder aufgenommen.
Doch ich denke, dass wir die dort erarbeiteten Elemente heute so innovativ weiterentwickeln, dass man uns kaum den Vorwurf machen kann, eine Retro-Band zu sein.
Wir haben zudem den Vorteil, dass wir auf 20 Jahre zurück blicken können. Viele jüngere Fans haben die Band erst in den 90er Jahren wahrgenommen – und bei vielen alten Fans sind wir immer noch in sehr guter Erinnerung, auch, wenn sie heute nicht mehr jeden Schritt von uns genau verfolgen.
Wir haben über die Jahre festgestellt, dass unsere Fans sehr loyal sind und immer wieder zu uns zurückkehren, auch wenn sie uns mal eine zeitlang aus den Augen verloren haben. Und das fühlt sich sehr gut an.
Ich selbst habe oft das Gefühl, als wenn ich die Band gerade erst ins Leben gerufen hätte. Und das ist schon erstaunlich, weil wir schon so viele Alben veröffentlicht haben. Doch im Gegensatz zu manchen Kollegen, die nicht mehr wissen, wie sie ein Album füllen sollen, fühle ich mich immer noch sehr inspiriert.“
Clan Of Xymox waren schon eine Gothic-Band, bevor dieses Genre überhaupt definiert war.
Wie sieht Ronny Moorings die Szene heute?
Ronny Moorings: „Als wir begannen, waren die meisten Bands, die heute als Gothic-Urväter betrachtet werden, ganz normale Independent-Bands, die den Sprung in die Charts kaum geschafft haben. Heute ist das anders. Eine Band wie Apoptygma Berzerk z.B. ist fast schon Mainstream, die Grenzen haben sich verwischt. Und das ist für mich eine sehr gute Entwicklung, denn so habe ich die Chance, im Radio auch mal gute Musik zu hören. Auf der anderen Seite ist die Gothic-Szene heute die einzige und größte wirkliche alternative Underground-Szene, die sich nicht auf die Fahnen geschrieben hat, über die Maßen populär zu sein. Das wäre wahrscheinlich auch unmöglich. Schon der Lebensstil wird nie Mainstream werden – so gesehen fühle ich mich in dieser Szene immer noch sehr wohl und bin stolz darauf, Teil von ihr zu sein.“
www.clanofxymox.com




















