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Rezensionen »» 2002 PopulärDruckoptimierte VersionSchicke diese Kritik an einen Freund
 Bewertung: 10 von 10Geschrieben von Ecki Stieg (1809 x gelesen)  

Artist: Pomegranate
Titel: This Illusion Sound
Label: Luce Music/SPV
Format:
Datum:
 Pomegranate - "This Illusion Sound" (Luce Music/SPV)

Kann sich noch jemand an die allgemeine, sogenannte Trip-Hop-Euphorie erinnern, die vor Jahren von Bands wie Massive Attack, Portishead, Tricky und Konsorten ausgelöst wurde?

Ja? Gut.
Nächste Frage: Was ist davon geblieben? Welche künstlerische Signalwirkung haben Massive Attack's "Mezzannine" oder die Alben von Portishead hinterlassen?
Hier wird es schon schwieriger, denn trotz des massiven Hypes dieser Klänge war von den genannten Protagonisten in den letzten Jahren kaum etwas Neues oder gar Innovatives zu vernehmen, und nur wenige Bands haben die vorgezeichneten Pfade weiter beschritten.

Abgesehen von glorreichen Ausnahmen wie dem letzten Recoil-Album oder Goldfrapp sind kaum positive Ausnahmen in Erinnerung, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass sich diese Formation nur selten einem stringenten Szenediktat unterwerfen ließen.

Da machen Pomegranate keine Ausnahme. Ohne sich in die Riege der Hip Hop-Heroen einzureihen oder gar historische oder stilistische Parallelen zulassen zu wollen, ist ihre Ausgangssituation und Attitüde mit vielen Projekten dieses Genres vergleichbar: Vanessa Riggs ist eine verträumte, elfengleiche, nichtsdestotrotz ausdrucksstarke Chanteuse, die "rein zufällig" (wie immer...!) von dem Soundtüftler Stef McGlinchey entdeckt wurde, der mit ihr seine Visionen einer ätherisch-experimentellen Musik verwirklichen wollte.

Weitab vom Szenediktat der Metropole London haben die beiden Glasgower Musiker dabei ein kleines Meisterwerk abgeliefert:

"This Illusion Sound" ist ein absoluter Glücksfall, ein Werk, das die ästhetischen Vorgaben zwar inhaliert hat, konsequent weiterverfolgt und erweitert, auf der anderen Seite aber ebenso selektiv wie respektlos die Elemente in die Klangwelt integriert, die der Atmosphäre dienlich sind.

Und die Atmosphäre von "This Illusion Sound" ist - wie der Titel vermuten lassen könnte - kein hohle, aufgeschäumte Klangtapete, sondern ein diffiziles Konglomerat diverser, perfekt integrierter Elemente, die von dem bisher bekannten Trip Hop, Ambient, 4 AD-Pop bis hin zu geradezu filmmusikalischen Sequenzen reicht.

Mehr als das: Pomegranate spannen auf vordergründig leichte, spielerische Weise den Bogen von der sphärischen, verhallten Ästhetik des legendäre This Mortal Coil-Albums ("# Jung Team"), jüngeren Cocteau Twins ("Staring At The Skies") bis hin zu neueren Vertretern wie Sigur Ros oder eben Goldfrapp ("Blue Days Fade", "So-Ray"), ohne zu einer Kopie zu verkommen oder vorgegebene Schemata abzukupfern.

Trotz der Tatsache, dass einige Ingredienzien wiedererkennbar verwertet wurden, ist die - in diesem Falle passt es wirklich! - experimentelle Spielfreude in jeder Sekunde spürbar!

Pomegranate gelingt zudem das Kunststück, ihre vielschichtigen Atmosphären und Visionen extrem komprimiert, dennoch nicht gezwungen gradlinig zu veräußern: Die 11 Stücke des lediglich 44minütgen Debüts leuchten sämtliche mögliche und verfügbare Facetten aus, ohne den kompakten, homogenen Gesamteindruck des Albums zu gefährden; jedes Stück für sich ist ein ausgearbeitetes Juwel, das zugleich im Kontext des Gesamtwerks funktioniert, wenngleich ein Stück wie "Come 2 Me" heute schon als Klassiker gefeiert werden muss...

Wie man unschwer erkennen kann: Hier geht es um eine Band, die der Entdeckung harrt!

Keine Angst, Ihr werdet reichlich belohnt....!

 
 DAC



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