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Carnival Of Dreams - "Labyrinth" (Himmelpforten/Alive)  (638 x gelesen) | Ihr Album "The Awakening Of Long Forgotten Dreams" war sympathisch, aber weder vielversprechend noch weltbewegend, ihrer letztjährigen Single "Dreidimensional" hingegen hätte man den Erfolg gegönnt, den ähnlich gelagerte Bands wie Melotron schon haben: Carnival Of Dreams haben sich nach einigem Zögern entschlossen, nun doch zur lupenreinen Popband zu mutieren - doch diese Mutation hat noch zahlreiche Schönheitsfehler. Da nützt es auch wenig, dass Carlos Peron die Band um Jens Gräbedünkel und Daniel Trautwein als drittes, vollwertiges Mitglied erweitert hat. Fraglos war Peron durchaus in der Lage, Kompositionen und Sound zu kompakten, teilweise treffsicheren Popsongs zu feilen, hat es sich aber natürlich nicht nehmen lassen, seine in diesem Rahmen verzichtbaren konzeptionellen Ideen beizusteuern.
En detail: Das zu Beginn des Albums gezeichnete Bild des emotionalen Labyrinths trägt auch durch vermehrtes Wiederaufgreifen des Themas in den diversen Songs nicht einmal als vages Konzept, ähnlich den fingierten Radio-Announcements ("Hier ist Radio C.O.D."). Das haben selbst Welle:Erdball schon stimmiger hinbekommen, bei Carnival Of Dreams erinnern diese "Einblendungen" vielmehr an ein schlechtes "Jeanny"-Remake
Dabei ist gerade der Anfang recht gelungen:: "The Perfect Journey" ist ein stimmiges instrumentales Intro, das der pathetischen, dennoch wohlgesetzten Cretu/Enigma-Tradition verhaftet ist. Das nachfolgende "Labyrinth 3D" ist perfekter, melancholischer Szene-Pop mit einer geschmeidigen Ohrwurmcharakter besitzenden Hookline, der in Kürze die Herzen beschwingter Szenegänger erobern dürfte.
Doch dass das Potenzial für ein ganzes Album kaum reicht, wird sehr schnell offenbar: Carnival Of Dreams sind zwar ideenreiche Eklektiker, gehen allerdings zu stringent und offensichtlich vor.
Perons übersteigerter Kommentar, die Band sei "so flexibel, die Ideen können wild durcheinander vorgetragen werden, es gibt keine Blockaden, nur Progression, erinnert mich an die Anfänge von Yello" können nur mit dem ihm ureigenen Enthusiasmus entschuldigt werden, mit dem er sich in jedes seiner Projekte stürzt, denn die nicht gerade sprühenden Ideen wurden gezielt und berechnend in die Tat umgesetzt:
Das technoide "Hört Ihr uns rufen" ist in plagiatorischer Nähe zu Umbra Et Imago & Heppners auch vom Titel fast identischen "Hörst Du mein Rufen". In "Song For Lina" werden nach Wolfsheim-Manier deutsch- und englisch gesungene Textzeilen zu einem sämigen, plakativen Schmonz vereint (" Und wenn die Nacht beginnt und die Kälte bricht herein. Du fehlst mir und ich bin trostlos aufgewacht. In meinem Trauermeer, Millionen Tränen schwer. Ich liebe Dich bis an das Ende dieser Welt") ohne emotional auch nur einen Funken zu transportieren.
Dann schon lieber die durchaus gelungenen Popsongs wie "Schatten", "Man On The Moon" oder auch der "Radio-Mix" von "Dreidimensional", bei dem die Naivität der Band, da in kompakte Form gepresst, durchaus Charme und Wirkung hinterlässt.
Eher verzichtbar dagegen die fünf(!) "Bonus-Tracks", von denen zwei mehr als überflüssige Cover-Versionen sind: "Nacht des Schweigens" (Moody Blues' "Nights In White Satin") und vor allem die crescendoverseuchte Version des unsäglichen "Words" von F.R. David demonstrieren, dass Carnival Of Dreams den Mixed Emotions letztendlich doch näher stehen als den Pet Shop Boys.
Und die aus Katastrophen-Nachrichten-O-Tönen bestehende Collage "Friede sei mit Dir" ist an Klischees und Anachronismen kaum mehr zu überbieten.
Allein die beiden, in diesem Kontext völlig unpassenden Kurzhörspiele "Herr Jens Und Oberst Gagg" sowie "Zürich ungelöst" geben Einblick, welchen Spaß das Trio im Studio neben der musikalischen Arbeit gehabt haben muss...
Schade, dass von diesem Humor und dieser Ungezwungenheit nicht sehr viel in die Musik geflossen ist.... - Ecki Stieg
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