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Peter Gabriel - "Up" (Virgin)  (544 x gelesen) | "We're intending to release in September - you see I never specify the year."- Peter Gabriel Anfang des Jahres auf die Frage, wann sein neues Album erscheint..
Große Kunst kennt weder Zeit noch Raum.
Obwohl sich auch andere Musiker mitunter sehr viel Zeit mit ihren Veröffentlichungen lassen, arbeiten sie nicht permanent an ihrer Musik.
Peter Gabriel tut es und hat dennoch 10 Jahre gebraucht, um den regulären Nachfolger des 92er Albums "Us" fertig zu stellen (den Soundtrack zu dem Millenium-Spektakel "Ovo" jetzt einmal außen vor gelassen.).
Ca. 130 Songs in diversen Stadien haben sich in der letzten Dekade angesammelt, von denen es gerade mal 11 auf das neue Werk geschafft haben.
Seit Peter Gabriel Genesis Mitte der 70er auf ihrem kreativen Zenith ("The Lamb Lies Down On Broadway") verlassen hat, war er Garant für eigenwilliges, teilweise höchst experimentelles, dunkel-atmosphärisches Songwriting, das grandiose, wegweisende Soundtracks wie "Birdy" oder "Passion" ebenso einschloss wie innovativer Pop a la "Sledgehammer".
Spätestens auf dem letzten Album "Us" fand Gabriels von allerlei Ethno-Elementen infiltriertes Songwriting eine neue definitive Form, die auf "Up" ihre direkte Fortsetzung findet.
Was Wunder, viele der hier zu findenden Songs wurden bereits vor 10 Jahren bei dem Sessions von "Us" in ihren Rohformen eingespielt.
Somit sind wirkliche Umbrüche oder Neuerungen nicht zu erwarten, dennoch ist der Charakter von "Up" weitaus desolater, der Titel somit eine mehr oder weniger ironische Wahl.
Gleich anderen großen alte Männer, wie z.B. Scott Walker, geht Gabriel immer weniger Kompromisse ein, weder musikalisch noch lyrisch.
Der Opener "Darkness" ist eine direkte Fortsetzung der eigenen Psychoanalyse auf "Digging In The Dirt", die Intensität und atonalen, harschen Spannungs- und Tempiwechsel lassen in der Tat Parallelen zu "The Cockfighter" von Scott Walkers "Tilt" zu , sind zugleich emotionaler, direkter und intensiver als alle vorangegangen Arbeiten Gabriels. Trotz der großen stilistischen Divergenz und der wie immer superben, dichten Produktion erinnert der offene, manchmal gar zerrissen wirkenden Charakter an das grandiose 4. Album Gabriels, das mit eindringlichen, schmerzhaften Balladen wie "Wallflower" überzeugen konnte.
In dieser Tradition zu sehen ist auch "I Grieve", mit großem Abstand das Highlight des Albums: Ein übergroßer, herzzereissender Abschiedssong, dem der berühmte Silberstreif textlich und musikalisch nicht fehlt und das Stück im Finale in einen trotzigen, mutmachenden Uptemposong verwandelt.
Die direkte Sprache und der aus jeder Pore quellende humanistische, dennoch völlig unpeinlich vermittelte Grundansatz machen "Up" zu einem konkurrenzlos intimen, unprätentiösen Album, dem der ein oder andere zynische Hakenschlag dennoch nicht fehlt: Das schon als Single bekannte "The Barry Williams Show" ist eine verdiente bitterböse Parodie auf die menschenerniedrigenden Praktiken der nachmittäglichen Talk-Shows, visuell treffend umgesetzt im aktuellen Video, das einen um weit mehr als 10 Jahre gealterten Gabriel zeigt...
"Up" ist ein großartiges, stilvolles und vor allen Dingen berührendes Alterswerk, mit dem man wahrscheinlich nur alle 10 Jahre rechnen darf... - Ecki Stieg
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